
LEGO Smart Brick System 2026: Revolution oder Risiko?
Heute Abend um 19:00 Uhr deutscher Zeit passiert etwas Historisches: LEGO stellt auf der CES in Las Vegas das Smart Brick System vor – und das ist nicht irgendeine Produktvorstellung. Es ist LEGOs erste Pressekonferenz auf der Consumer Electronics Show, einer Elektronik-Fachmesse statt einer klassischen Spielwarenmesse. Allein das unterstreicht, wie technologisch dieser Schritt ist.
LEGO spricht von einer "völlig neuen Dimension des Spielens". Doch was steckt wirklich dahinter? Ist das die Revolution des LEGO-Bauens – oder ein riskantes Experiment, das in ein paar Jahren eingestellt wird wie so viele interaktive Systeme zuvor?
Der Smart Brick: LEGOs intelligentester Stein
Das Herzstück des neuen Systems ist ein spezieller 2×4 LEGO-Stein, der mehr kann als jeder Stein zuvor. LEGO bezeichnet ihn selbst als "den intelligentesten LEGO-Stein, den wir je gebaut haben".
Was steckt im Smart Brick?
Laut Patentschriften und ersten Informationen verfügt der Smart Brick über beeindruckende Hardware:
- Zwei LEDs für Lichteffekte
- Lautsprecher und Mikrofon für Sound und Interaktion
- Beschleunigungssensor zur Bewegungserkennung
- Lichtsensor für Farbmessung
- RFID/NFC-Leser zur Erkennung von Minifiguren und speziellen Steinen
- Integrierter Akku mit kabelloser Ladefunktion
Der Smart Brick ist also nicht einfach ein Stein mit LEDs – er ist eine vollwertige Mini-Spielkonsole, die erkennen kann, was um sie herum gebaut wird.
Das geniale Ladesystem
Besonders clever: Das kabellose Ladepad erzeugt ein Ladefeld, sodass der Smart Brick nicht direkt aufliegen muss. Du kannst ihn also in dein Modell einbauen und das gesamte Modell einfach aufs Ladepad stellen. Kein Fummel mit Kabeln, kein Auseinanderbauen zum Laden.
So funktioniert die Technologie dahinter
Das System basiert auf bewährter RFID/NFC-Technologie – ähnlich wie kontaktlose Bezahlkarten oder dein Smartphone beim kontaktlosen Bezahlen. Diese passiven Tags sind in spezielle LEGO-Teile integriert: Fliesen, Accessoires und Minifiguren.
Das Identitätssystem
Der Smart Brick erkennt nicht nur, welche Teile in der Nähe sind, sondern auch wo sie sich befinden. Über Signale in allen drei Raumrichtungen kann er die Position anderer Komponenten bestimmen.
Ein Beispielszenario aus den Patenten:
- Du baust ein Modell und fügst eine Fliese mit "Dinosaurier"-Tag hinzu
- Der Smart Brick erkennt das Tag und lädt das Soundprofil "Dinosaurier-Brüllen"
- Du fügst eine "Flügel"-Fliese hinzu
- Der Brick versteht: "Aha, Dinosaurier + Flügel = Drache"
- Er aktiviert Fluggeräusche, wenn der Beschleunigungssensor Bewegung erkennt
Die interaktiven Minifiguren
Um Antenne und RFID-Chip unterzubringen, musste LEGO die Minifiguren überarbeiten. Die Smart Play Minifiguren haben fest verbundene Beine und Torso – ein Kompromiss, der nicht alle Fans begeistert.
Der Vorteil: Diese Figuren werden vom Smart Brick erkannt und bringen ihre eigenen Sounds, Lichter und Interaktionen mit.
Die geplanten Sets für 2026
LEGO Star Wars Smart Play (März 2026)
Acht Star Wars Sets sollen zum 1. März 2026 starten. Die wichtigsten im Überblick:
| Set-Nr. | Name | Preis | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| 75421 | Darth Vader's TIE Advanced | 69,99 € | Enthält Smart Brick + Ladestation |
| 75422 | Dagobah Training | 69,99 € | 440 Teile, Yoda-Hütte, Smart-Minifiguren |
| 75423 | Luke's Red Five X-Wing | 100 € | Mit Smart Brick, Pilot Luke + Leia |
| 75420 | Luke's Landspeeder | ~50 € | Smart-kompatibel, kein Smart Brick |
| 75424 | AT-ST | ~50 € | Smart-kompatibel, Scout Trooper |
Der entscheidende Punkt: Nicht jedes Set enthält den Smart Brick. Manche sind nur "Smart-kompatibel" – du brauchst also bereits einen Smart Brick aus einem anderen Set.
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LEGO Pokémon (Frühjahr & Sommer 2026)
Die wohl meisterwartete LEGO-Lizenz aller Zeiten startet im März 2026 – und Smart Play ist direkt mit dabei:
- 40892 Pikachu GWP – Gratis-Geschenk am Pokémon Day (27. Februar 2026)
- 72151 Eevee – 59,99 €, 587 Teile
- 72152 Pikachu and Pokéball – 199,99 €, 2.050 Teile
- 72153 Bulbasaur, Squirtle & Charmander – 649,99 €, 6.838 Teile (größtes 2026-Set!)
- 72164 Pikachu's Training House – mit Smart Brick
Die meisten der 23 gerüchteten Pokémon-Sets werden laut Insiderinformationen einen separat gekauften Smart Brick benötigen, um ihr volles Potenzial zu entfalten.
Weitere Themenwelten
Smart Play soll 2026 über das gesamte LEGO-Portfolio ausgerollt werden:
- LEGO City: Einsatzfahrzeuge mit Sirenen und Blaulicht
- LEGO Friends: Gebäude mit Musik und Ambiente-Effekten
- LEGO Technic: Interaktive Tutorials und programmierbare Funktionen
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LEGOs Weg zu interaktiven Systemen
Das Smart Brick System kommt nicht aus dem Nichts. LEGO experimentiert seit über einem Jahrzehnt mit der Verbindung von physischen Steinen und digitaler Interaktion:
LEGO Life of George (2011-2013)
Das erste System, das physische Steine mit einer iPhone-App verband. Du bautest 2D-Modelle und scanntest sie per Kamera. Die App wurde 2015 eingestellt – und die Sets wurden weitgehend nutzlos.
LEGO Dimensions (2015-2017)
Ein Toys-to-Life-System mit NFC-Technologie: Minifiguren hatten NFC-Tags in der Basis, die vom "Toy Pad" gelesen wurden. Das System umfasste über 30 Franchises – wurde aber 2017 eingestellt, als der gesamte Toys-to-Life-Markt zusammenbrach.
LEGO Hidden Side (2019-2020)
Kombination aus klassischen Sets und Augmented Reality per Smartphone. Eine coole Idee – aber auch dieses System wurde nach kurzer Zeit eingestellt.
LEGO Super Mario (seit 2020) – Der Durchbruch
Das Ergebnis einer vierjährigen Zusammenarbeit mit Nintendo. Die interaktive Mario-Figur nutzt einen optischen Sensor, der Farben und Barcodes lesen kann. Dieses System läuft noch heute erfolgreich – und ist das direkte Vorbild für Smart Brick.
Der große Unterschied: Super Mario ist themenspezifisch. Smart Brick soll universell funktionieren.
Das Geschäftsmodell: "Ein Brick für alles"
LEGO verfolgt ein "Universelles Herz"-Konzept:
Du kaufst ein Starter-Pack mit Smart Brick und Ladestation (z.B. Darth Vader's TIE Advanced für 69,99 €). Dieser Smart Brick wird zum Gehirn, das du zwischen verschiedenen Sets wechselst.
Kaufst du später einen X-Wing ohne Smart Brick, setzt du deinen vorhandenen Smart Brick ein – und dank der enthaltenen RFID-Tags "weiß" er sofort, dass er jetzt ein X-Wing ist und spielt die passenden Sounds und Lichteffekte ab.
Der Smart Brick wird zur physischen Spielkonsole, die von Modell zu Modell wandert.
Die kritischen Punkte
So spannend die Technologie ist – es gibt berechtigte Bedenken:
Der Preis
Die angekündigten Star Wars-Sets kratzen fast alle an der Marke von 15 bis 20 Cent pro Stein – selbst für Star-Wars-Verhältnisse teuer. Das Dagobah Training Set kostet 69,99 € bei nur 440 Teilen.
App-Abhängigkeit und Obsoleszenz
Was passiert, wenn LEGO in drei Jahren die App einstellt? Die Life of George App wurde 2015 abgeschaltet – die physischen Sets wurden wertlos. Wird das Smart Brick System dasselbe Schicksal erleiden?
Die besten LEGO-Spielfunktionen sind die, die auch dann noch funktionieren, wenn das Set sechs Monate in der Kiste liegt.
Fest verbundene Minifiguren
Smart-Minifiguren haben fest verbundene Beine und Torso. Für viele Fans ist das ein Verstoß gegen die modulare LEGO-Philosophie. LEGO lebt von der Möglichkeit, alles neu zu kombinieren – genau das geht hier verloren.
Verlust der LEGO-Kernphilosophie?
LEGO ist ein "Forever Toy" – zeitlos, robust, generationenübergreifend. Smart-Komponenten bedeuten:
- Höhere Kosten
- Größere Komplexität
- Batteriewechsel
- Software-Updates
- Potenziell schnellere Obsoleszenz
Besteht die Gefahr, dass LEGO vom Kern dessen abweicht, was es so besonders macht: die Einfachheit von "nur Steinen" und offene Kreativität ohne erforderliche Technik?
Zielgruppe: Kinder oder Sammler?
Smart Play ist klar auf Kinder ausgerichtet. Hardcore-LEGO-Sammler (AFOLs) werden wahrscheinlich nicht die Hauptzielgruppe sein. Das ist ein schmaler Grat – denn LEGO hat in den letzten Jahren massiv vom Erwachsenenmarkt profitiert.
Fazit: Revolution oder Risiko?
Das LEGO Smart Brick System ist LEGOs ambitioniertester Vorstoß in die interaktive Spielwelt seit LEGO Super Mario. Die Technologie ist beeindruckend, das Potenzial enorm.
Das spricht dafür:
- Universalität: Ein Smart Brick für viele Themenwelten
- Bewährte Technologie: RFID/NFC ist robust und kostengünstig
- Kabellose Ladung: Modern und benutzerfreundlich
- Erfolgsmodell: Super Mario zeigt, dass das Konzept funktioniert
Das spricht dagegen:
- Deutlich höhere Preise
- App-Abhängigkeit und Obsoleszenz-Risiko
- Fest verbundene Minifiguren
- Potenzielle Abkehr von der offenen LEGO-Philosophie
Ob das System ein Erfolg wird oder in ein paar Jahren wie Life of George, Fusion und Hidden Side eingestellt wird, hängt davon ab, ob LEGO die Balance zwischen technologischer Innovation und der zeitlosen Kernphilosophie des kreativen Bauens findet.
Heute Abend um 19:00 Uhr erfahren wir mehr. Und dann wird sich zeigen, ob LEGO tatsächlich eine neue Dimension erschließt – oder sich verzettelt.
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